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„Montage von Kernsockelleisten – Was ist zu beachten!“

 

In der Fußbodenbranche werden unterschiedliche Sockelleisten bzw. Fußleisten als Wandabschlusssysteme für Bodenbeläge/Nutzbeläge angeboten. Insbesondere nach der Verlegung von elastischen und textilen Bodenbelägen bilden häufig so genannte „Kernsockelleistensysteme“ den entsprechenden Wandab-schluss. Hierbei handelt es sich um Sockelleistensysteme, bestehend aus einem Hartfaser-kern und einer Kunststoffummantelung. Bei dem Hartfaserkern handelt es sich zweifelsohne um Holzmaterialien, welche auf Feuchtigkeit und raumklimatischen Bedingungen reagieren und somit einem definierten Quell- und Schwindmaß unterliegen.

 

Bei der Kunststoffummantelung dieses Hartfaserkerns hingegen wird in der Praxis z. B. Polyester verwendet. Wie dies bei Bodenbelägen bekannt ist, unterliegen Kernsockelleistensysteme eben-falls Maßänderungen aufgrund von Wärme- und Feuchteeinwirkung. Aus den zuvor genannten Gründen ist zum einen bei der Planung des Wandab-schlusses das richtige/geeignete Sockelleistensystem zu berücksichtigen. Zum anderen sind je nach Sockelleistensystem auch entsprechende Voraus-setzungen an den Wänden zu berücksichtigen.

 

Im Kommentar zur DIN 18 365 „Bodenbelagarbeiten“ heißt es unter Punkt 0 „Hinweise für das Aufstellen der Leistungsbeschreibung“ wie folgt:


Angaben zur Art der Leisten und Profile, den zu verwendeten Materialien, der Farbe und des Musters, den Abmessungen/Maßen und der Art der Befestigung sowie die Bau- und Materialart des Befestigungsuntergrundes sind im Leistungsverzeichnis vorzugeben.

 

Die Ausführung als Hohlkehle, auch bei vorgefertigten Elementen, ist detailliert zu beschreiben. Besonders bei starren Sockelleistensystemen hat der Planer die entsprechenden Vorgaben vom Gewerk für die Wandputzarbeiten zu fordern. Der Estrich- und Wandbereich muss mindestens der Zeile 3 bzw. Zeile 6, Tabelle 3, DIN 18 202, entsprechen. Die mögliche Verformung ist, besonders bei schwimmenden Estrichen, planerisch zu beachten!“

 

Die Planung der Sockelleistensysteme ist erforderlich!

 

Die zuvor aufgeführten Angaben aus dem Kommentar zur DIN 18 365 „Bodenbelag-arbeiten“ zeigen deutlich, dass Sockelleistensysteme - vergleichbar wie andere Bau-leistungen - im Vorfeld gewissenhaft zu planen sind, um später im Rahmen der Aus-führung und Nutzung keine „Überraschungen“ zu erleben. Ist ein Planer/Architekt eingeschaltet, so ist es sicherlich Aufgabe des Planers bzw. Architekten, hier die richtigen Voraussetzungen hinsichtlich der Wände und der zu verwendeten Sockelleistensysteme zu schaffen bzw. zu gewährleisten. Ist jedoch kein Planer/Architekt involviert, so kann es auch Aufgabe des Auftragneh-mers Bodenbelagarbeiten sein, hier die geeigneten Materialien und Befestigungs-arten auszuwählen und anzuwenden.

 

Schadensfall aus der Praxis

 

In einem größeren Bauvorhaben wurden mehrere Tausend laufende Meter Kern-sockelleisten geliefert und montiert. Die 60 mm hohen Kernsockelleisten bildeten hierbei den Abschluss für den verlegten PVC-Bodenbelag.  Bei den Räumen handelte es sich in erster Linie um Büroräume, Sitzungsräume und Flure/Korridore. Im Rahmen der Montage der Sockelleistensysteme stellte sich heraus, dass unter-schiedliche Wandkonstruktionen vorhanden waren. Zum einen waren sowohl im Neubaubereich Betonwände als auch im Altbaubereich Wände aus Mauerwerk vorhanden. Ergänzend wurde in dem Gebäude eine Vielzahl von Trockenbauwänden gezogen. Weitergehend kam erschwerend hinzu, dass insbesondere im Bereich des Neubaus, aber zum Teil auch im Bereich des Altbaus Baufeuchte und „feuchte Wände“ zu ergänzende Problemstellungen führten.

 

Wahl der Art der Montage unter Berücksichtigung der Gegebenheiten vor Ort und der materialspezifischen Eigenschaften

 

Unter Berücksichtigung der Gegebenheiten vor Ort und der materialspezifischen Eigenschaften der Sockelleistensysteme ist es insbesondere Aufgabe des Auftrag-nehmers Bodenbelagarbeiten, hier die geeignete Art der Montage der Sockelleisten auszuwählen. Sollte die vom Planer/Architekten vorgesehene Art der Montage nicht geeignet sein, so wäre eine „Bedenkenanmeldung“ folgerichtig und notwendig/erforderlich. In dem zur Rede stehenden Projekt/Bauvorhaben lösten sich während der Nutzungs-phase in unterschiedlichen Räumen und Fluren/Korridoren die Sockelleisten von den Wänden. Dies geschah in unterschiedlichen Wandbereichen, unabhängig von der Nutzung und der Art der Wände (Beton, Mauerwerk und Trockenbau). Diese Ablösungen der Kernsockelleisten von den Wänden führten folgerichtig zu einer Beanstandung durch den Bauherrn/Auftraggeber (vgl. Foto 1 und 2).

 

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Foto 1

 

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Foto 2

 

Reparaturmaßnahmen haben nicht zu dem gewünschten Erfolg, jedoch partiell zu optische Beeinträchtigungen, geführt, wie die Fotos 3 und 4 zeigen.

 

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Foto 3

 

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Foto 4

 

Zum einen wurden zu kurze Stahlstifte verwendet, um die Sockelleiste zu den Wänden hingehend zu befestigen. Wie die Fotos 5 und 6 zeigen, wurden hierbei Stahlstifte von ca. 15 mm Länge verwendet, welche weniger als 1 cm in die Trockenbauwände oder den Wandputz eindringen konnten.

 

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Foto 5

 

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Foto 6

 

Weitergehend hat bei den Trockenbauwänden eine zusätzliche Klebung nicht statt-gefunden, so dass sich die Sockelleisten mitsamt den Stahlstiften aus der Trockenbauwand herauslösen konnten. In den Bereichen der Beton- und Mauerwerkswände waren unterschiedliche Klebe-bänder feststellbar/nachweisbar, welche eine sehr weiche Klebstofffuge aufweisen und demzufolge Maßänderungen der Sockelleisten nicht aufhalten können, wie auf den Foto 7 erkennbar.

 

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Foto 7

 

Und „last but not least“ waren Wandoberflächen vorhanden, z. B. Anstriche, welche einen ungeeigneten Untergrund zur Klebung der Kernsockelleistensysteme dar-stellten, wie die Fotos 8 und 9 zeigen.

 

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Foto 8

 

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Foto 9

 

Insbesondere haben die Kernsockelleistensysteme partiell im Verbund mit den Wandanstrichsystemen von den Wänden gelöst.

 

Fazit

 

Wie häufig in der Praxis konnten auch in diesem Projekt/Bauvorhaben unterschied-liche Ursachen für die Schäden an den Kernsockelleistensystemen ermittelt werden. Aus unserer Praxiserfahrung im Institut für Fußbodenbau können wir diesbezüglich ergänzend aussagen, dass unterschiedliche Fakten zu berücksichtigen sind und eine Rolle spielen, um eine feste und dauerhafte Arretierung der Kernsockelleisten-systeme zu den Wänden hingehend zu garantieren.

 

1. Leistungsbeschreibung

 

Insbesondere bei größeren Bauvorhaben ist es Aufgabe des Planers/Architekten, bereits im Leistungsverzeichnis (LV) die Leistung entsprechend genau zu beschreiben. Hierzu ist es zum einen erforderlich, dem Auftragnehmer Bodenbelagarbeiten Kennt-nisse über die vorhandenen Arten der Wände und Oberflächen zur Verfügung zu stellen. Weitergehend ist es erforderlich, im Rahmen der Leistungsbeschreibung die geeig-neten Kernsockelleistensysteme unter Berücksichtigung der materialspezifischen Eigenschaften und der hieraus resultierenden Art der Befestigung festzulegen. In kleineren Bauvorhaben, in denen kein Leistungsverzeichnis existiert, oder in denen kein Planer/Architekt eingeschaltet ist, ist es erforderlich, dass der Auftrag-nehmer Bodenbelagarbeiten im Rahmen der Kundenberatung dies gemeinsam mit seinem Kunden/Endverbraucher bespricht und festlegt.

 

2. Prüf- und Hinweispflichten

 

Für den Auftragnehmer Bodenbelagarbeiten ist es sehr wichtig, dass er hinsichtlich der Montage von Sockelleistensystemen die gleichen Prüf- und Hinweispflichten berücksichtigt, wie dies für den vorhandenen Untergrund zur Aufnahme von Boden-belägen der Fall ist. Auch vor der Montage von Sockelleistensystemen ist zum einen die Eignung der Oberfläche der Wandbereiche zu prüfen. Zum anderen sind Prüfmaßnahmen hinsichtlich des Raumklimas und der Baufeuchte in den Wandbereichen erforderlich. Und selbstverständlich sind auch Prüfmaßnahmen hinsichtlich der Ebenheit erforder-lich, um eine fachgerechte Montage der Sockelleisten sicherzustellen. Hierbei bezieht sich die Prüfung der Ebenheit sowohl auf die Wandbereiche als auch auf die Fußbodenkonstruktion.

 

Wenn der Auftragnehmer Bodenbelagarbeiten diese Prüfmaßnahmen durchführt und seinen Prüf- und Hinweispflichten nachkommt, dann wird er dazu in der Lage sein, die geeignete Art der Montage für die vorgesehene Sockelleiste zu empfehlen oder gegebenenfalls auch die Art der Sockelleiste selbst entsprechend festzulegen. Sollten sich im Rahmen der Prüfmaßnahmen jedoch Problemstellungen heraus-kristallisieren, welche eine feste und dauerhafte Montage der Sockelleiste in Frage stellen, so wird in jedem Fall auch eine Bedenkenanmeldung und gegebenenfalls eine Baubehinderungsanzeige erforderlich sein.

 

3. Art der Montage

 

In der Praxis erleben wir es immer wieder häufig, dass Kernsockelleistensysteme nur genagelt bzw. nur angeschossen werden. Dies widerspricht sicherlich nicht den Vorgaben der DIN 18 365 „Bodenbelag-arbeiten“. Trotzdem hat sich in der Praxis herauskristallisiert, dass ein Nageln/Anschießen der Kernsockelleistensysteme in aller Regel nicht ausreicht. Eine zusätzliche Klebung unter Verwendung eines geeigneten Klebstoffsystems bzw. Trockenklebstoffsystems ist in jedem Fall anzuraten und empfehlenswert. Hierbei sind sicherlich zum einen die Gegebenheiten vor Ort hinsichtlich des Unter-grundes und der raumklimatischen Bedingungen zu berücksichtigen.

 

Zum anderen sind in diesem Zusammenhang jedoch die materialspezifischen Eigen-schaften der Kernsockelleisten ergänzend zu betrachten. Es gibt in den aktuellen Normen diesbezüglich keine Anforderungen hinsichtlich des Maßänderungsverhalten bzw. der Dimensionsänderungen von Kernsockelleisten-systemen bei Feuchtigkeits- oder Wärmeeinwirkung. Unabhängig davon ist jedoch bekannt, dass auch Kernsockelleisten einer nicht zu unterschätzenden Maßänderung unterliegen. Aus den zuvor genannten Gründen ist ähnlich wie bei Bodenbelägen auch bei den Sockelleisten eine feste und dauerhafte Art der Arretierung/Klebung zu wählen. Ergänzend muss ausgesagt werden, dass es auch in den Verarbeitungsrichtlinien der Hersteller wünschenswert wäre, wenn die Art der Montage genauer und ins-besondere sicherer beschrieben wird. Werden alle Prüf- und Hinweispflichten vor Ort durch den Auftragnehmer Bodenbe-lagarbeiten berücksichtigt, die entsprechenden Sockelleisten ausgewählt und ins-besondere die geeignete Montageart festgelegt, dann sollten Ablösungen der Sockelleisten von den Wänden weitestgehend auszuschließen sein.

 

 

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